Geschichte
Im Jahre 1964 reagierte der IWF auf Anfragen einer Reihe unabhängig gewordener afrikanischer und asiatischer Staaten, die um Unterstützung beim Aufbau ihrer eigenen Zentralbanken und Finanzministerien nachsuchten, und begann, seinen Mitgliedsländern technische Hilfe zu bieten. Bis Ende des Jahrzehnts war der Umfang der technischen Hilfe durch den IWF rasch gestiegen und erreichte im Jahr 1970 fast 70 Personenjahre. Mitte der 80er Jahre hatte sich die Personalausstattung für technische Hilfe fast verdoppelt, und Ende der 80er Jahre hatte sich der Schwerpunkt von langfristigen zu kurzfristigen Expertenabstellungen, Beratungsmissionen und Ausbildungsseminaren verlagert. 1990 stellte die große Zahl von Ländern im Übergang von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft eine weitere Belastung für die IWF-Kapazitäten der technischen Hilfe dar. Außerdem hat der IWF in den letzten Jahren beträchtliche koordinierte Anstrengungen unternommen, Länder, die im Anschluss an ernste innere Unruhen neue Regierungsinstitutionen aufbauen mussten, umgehend bei politischen und operationellen Fragen beratend zu unterstützen. Inzwischen gewährt der IWF seinen Mitgliedsländern jährlich ungefähr 300 Personenjahre an technischer Hilfe.
Maßnahmen
Eine Grundsatzerklärung über die technische Hilfe des IWF, die im März 2000 veröffentlicht wurde, legt die Ziele, den Umfang und die Art der technischen Hilfe des IWF fest, beschreibt, wie Prioritäten gesetzt werden, die Rolle der Empfängerregierungen, die Überwachung und Evaluierung, die Veröffentlichung von Informationen, das interne Management der Hilfe sowie die Rolle der externen Finanzierung.
(http://www.imf.org/external/pubs/ft/psta/index.htm)
Die Arten der technischen Hilfe
Der IWF bietet in drei breiten Bereichen technische Hilfe: (a) Entwurf und Umsetzung der Fiskal- und Geldpolitik; (b) Aufbau von Institutionen wie Zentralbanken, Schatzämter, Steuer- und Zollbehörden sowie Statistikämtern und (c) Ausarbeitung und Überprüfung der Wirtschafts- und Finanzgesetze.
Der IWF bildet Beamte aus den Mitgliedsländern in gezielten Schulungen im Hauptsitz in Washington, im Gemeinsamen Wien-Institut, im Regionalen IWF-Fortbildungszentrum in Singapur und in anderen regionalen oder subregionalen Stellen aus. Missionen für technische Hilfe und Expertenabstellungen bieten den Ländern Beratung und praktische Unterstützung, um dazu beizutragen, monetäre, fiskalische und statistische Probleme zu lösen, die makroökonomischen Ungleichgewichten häufig zu Grunde liegen.
In den letzten Jahren sind die technischen Hilfsprojekte sowohl größer als auch komplexer geworden, und oft waren vielfältige Finanzierungsquellen erforderlich, um die Kosten zu übernehmen. Bei großen Projekten sind inzwischen meistens mehrere IWF-Abteilungen und mehr als ein Geber betroffen.
Prioritätensetzung
Angesichts der ständig steigenden Nachfrage an technischer Hilfe muss der IWF Prioritäten setzen, um seine Ressourcen so effizient wie möglich zwischen den Mitgliedsländern und Regionen aufzuteilen. Die Länder- bzw. Regionalabteilungen des IWF spielen eine wichtige Rolle bei der allgemeinen Festlegung des Bedarfs der Länder an technischer Hilfe. Die Projekte werden durch einen abteilungsübergreifenden Ausschuss aus leitenden IWF-Mitarbeitern, dem Ausschuss für Technische Hilfe, der die Erfahrungen der Mitgliedsländer bei erfolgreicher technischer Hilfe prüft, in eine Rangordnung eingeteilt. Der IWF betrachtet die folgenden Kernbedingungen als wesentlich für die erfolgreiche Umsetzung seiner technischen Hilfe:
- Verpflichtung der Länderbehörden zu einer Politik institutioneller Reformen;
- ein stabiles und einheitliches makroökonomisches Umfeld;
- eine angemessene Absorptionsfähigkeit der Verwaltungsstruktur der betroffenen Länder sowie geeignete Fertigkeiten der Partner vor Ort.
Das Exekutivdirektorium des IWF betont die Bedeutung einer weiteren Stärkung des Länder- und Regionalansatzes der technischen Hilfe und der Ausbildungsprogramme des IWF sowie der Planung und Durchführung einer solchen Hilfe innerhalb eines mehrjährigen Rahmens in enger Absprache mit den Empfängerbehörden und anderen Gebern. Als Antwort darauf wurde ein Pilotprogramm für umfassende Bewertungen der technischen Hilfe sowie für Konsultationen für ausgewählte Länder im Rahmen der Artikel-IV-Konsultationen des IWF eingeleitet.
Externe Kooperation und Koordinierung
Ende der 80er Jahre begann der IWF, Möglichkeiten zu untersuchen, um die Wirkung durch Parallelfinanzierung, Mittelbeschaffung und externe Finanzierung zu erhöhen. 1989 unternahm der IWF formale Schritte, um die Koordinierung und Zusammenarbeit mit anderen multilateralen und bilateralen Institutionen zu gewährleisten und so widersprüchliche Beratung und Doppelarbeit zu vermeiden. Diese Zusammenarbeit führte zu einem integrierteren Ansatz bei der Planung und Durchführung der technischen Hilfe. Externe Finanzierung durch eine Reihe von Gebern wie UNDP, die Regierung von Japan, die Regierung der Schweiz, die Weltbank und die Europäische Union deckt inzwischen fast ein Drittel der technischen Hilfe des IWF und ungefähr die Hälfte der Kosten der lang- und kurzfristigen Expertenabstellungen vor Ort. Die Regierung von Japan leistet großzügige jährliche Beiträge zu den technischen Hilfsprogrammen des IWF und für Stipendien. Eine Reihe anderer bilateraler Geber — wie Norwegen, Schweden und das Vereinigte Königreich — unterstützt die technischen Hilfsprojekte des IWF oder zahlt direkt in zweckgebundene Sonderkonten des Rahmenkontos für technische Hilfe. Bis heute haben neben Japan Australien, Dänemark, Frankreich und die Schweiz solche Sonderkonten eröffnet. Das technische Hilfsprogramm des IWF wurde durch Partnerschaftsabkommen mit anderen Anbietern technischer Hilfe unterstützt; mit steigender Nachfrage für technische Hilfe im Bereich der makroökonomischen und finanziellen Steuerung werden solche Vereinbarungen immer wertvoller.
Beispiele für technische Hilfe durch den IWF
Die technische Hilfe des IWF reicht von Missionen bestehend aus einer oder zwei Personen, die kurzfristig auf Dringlichkeitsanfragen reagieren, zu groß angelegten, integrierten, mehrjährigen technischen Hilfsprogrammen, die mit anderen Gebern kofinanziert werden. Letztere sind in Ländern nach Beendigung von Konflikten wie Angola, Kambodscha, Libanon, Namibia, Haiti, Ruanda und Jemen durchgeführt worden. Ein ähnlicher Ansatz gilt zur Zeit für China und Nigeria. Solche Programme werden normalerweise eng mit dem UNDP koordiniert und kofinanziert und erfassen oft mehrere bilaterale Geber.
Der IWF wurde außerdem ermutigt, einen regionalen Ansatz bei der Durchführung der technischen Hilfe und der Schulungen zu entwickeln. Zu nennen wären hier das „Pacific Financial Technical Assistance Centre" (PFTAC) in Fidschi, das 15 Länder des Pazifik-Raums erfasst und durch das UNDP, Australien, Neuseeland, das Pazifik-Forum und die Asiatische Entwicklungsbank finanziert wird, sowie das Ausbildungszentrum in Singapur, das mit der Regierung von Singapur kofinanziert wird. Für den Karibik-Raum wird ein Programm erarbeitet, das dem PFTAC ähnlich ist. Der IWF bietet Finanzhilfe für das „Toronto International Leadership Centre for Financial Sector Supervision", das 1998 gegründet wurde, um Schulungen in den besten internationalen Praktiken für leitende Mitarbeiter der Aufsichtsbehörden aus Entwicklungsländern und Industriestaaten zu bieten.
Der IWF hilft der Zentralbank von Bolivien mit der finanziellen Unterstützung der Schweizer Regierung bei der Durchführung einer umfassenden Reform und eines Modernisierungsprogramms; er unterstützt eine Steuerreform in Mosambik; and er hat vor kurzem eine Reihe von technischen Hilfsprojekten für Aserbaidschan, die Kirgisische Republik, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan aufgelegt.
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