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Politikberatung des Internationalen Währungsfonds
Leserbrief
Von Abdoulaye Bio-Tchané
Direktor, Afrika Abteilung
Internationaler Währungsfonds
Frankfurter Allgemeine Zeitung
9. August 2005

die FAZ hat den Ruf, die Arbeit des Internationalen Währungsfonds sorgfältig zu analysieren. Ich war deshalb erstaunt, Ihre Anschuldigungen über die angebliche Rolle des Fonds in der Lebensmittelkrise in Niger zu lesen (,,Von einer Hungerkatastrophe in Niger kann keine Rede sein", 3. August). Es ist irreführend, den Ansatz des IWF in einkommensschwachen Ländern wie Niger vereinfachend mit dem Satz ,,Der Markt regelt alles" zu umschreiben. Dies ist eindeutig auf mangelnde Kenntnisse über den Prozess der wirtschaftspolitischen Steuerung, die wirtschaftlichen Herausforderungen, vor denen Afrika steht, und die gegenwärtige Lage in Niger zurückzuführen.

Der IWF betrachtet Entwicklungsfragen keineswegs durch eine ideologische Brille. Wir arbeiten mit den einzelnen Ländern auf der Grundlage ihrer jeweiligen Bedürfnisse und Fähigkeiten zusammen, einschließlich der Finanzmittel, die das Land selbst in den Entwicklungsprozess einbringen kann. Außerdem stellt sich die Frage der nationalen Souveränität, die im Falle des Landes Niger — mit seiner demokratisch gewählten Regierung und seiner aktiven Zivilgesellschaft — ein entscheidender Faktor bei der Festlegung des wirtschaftspolitischen Kurses ist. Wir ,,diktieren" die Politik keineswegs, wie Sie behaupten. Wir konsultieren und beraten.

Die Politikberatung des IWF an Niger stützt sich auf eine Armutsbekämpfungsstrategie, die die Regierung des Landes selbst ausgearbeitet hat (verfügbar unter www.imf.org). Darin werden Prioritäten für die Stärkung des Wirtschaftswachstums und die Bekämpfung der Armut festgelegt. Die Erhöhung der Ausgaben, die benachteiligten Gruppen Zugang zu grundlegenden sozialen Dienstleistungen geben sowie die Entwicklung der Landwirtschaft stehen dabei im Vordergrund. Die Strategie legt außerdem großen Wert darauf, die Nachhaltigkeit der öffentlichen Finanzen zu sichern. Deshalb wird der Schwerpunkt darauf gelegt, die Mobilisierung der Einnahmen zu stärken, die Verwaltung der öffentlichen Ausgaben zu verbessern und die Ausgaben auf Projekte zu konzentrieren, die den Armen zugute kommen und das Wachstum fördern.

Was die gegenwärtige Lage anbelangt, so entbehrt Ihre Behauptung, die Politikberatung des IWF habe die Verteilung von kostenlosen Lebensmitteln behindert, jeglicher Grundlage. Der IWF unterstützt uneingeschränkt alle Regierungsausgaben, die darauf abzielen, die Lebensmittelkrise anzugehen und die Auswirkungen der Dürre zu mildern. Und hinsichtlich der Behauptung, wir würden eine ,,Einschulungsrate von mindestens 50 Prozent" fordern, möchte ich darauf hinweisen, dass es Ihrem Reporter nicht gelingen wird, auch nur ein einziges vom IWF über Niger veröffentlichtes Dokument vorzulegen, das dieses Ziel festlegt.

Der IWF arbeitet bei der gegenwärtigen Krise eng mit anderen internationalen Spendern zusammen, um zusätzliche Mittel zu mobilisieren und dadurch die Lebensmittelknappheit anzugehen und die langfristige Entwicklung zu fördern. Wir sind dazu bereit, den Zugang Nigers zu IWF-Finanzierungen zu erhöhen, falls die Hilfszahlungen nicht ausreichen sollten. Zudem gehört der IWF zu denjenigen Institutionen, die immer wieder auf die Notwendigkeit hinweisen, die Investitionen in Bewässerungsanlagen zu erhöhen um dadurch die Anfälligkeit Nigers gegen Dürre zu reduzieren. Wie man die Krise in Niger auch definieren mag, der IWF wird alles in seinen Kräften stehende tun, um die Not zu mildern.

Mit freundlichen Grüßen.




IMF EXTERNAL RELATIONS DEPARTMENT

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