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Fortschritte bei der Stärkung der Architektur des internationalen Finanzsystems
Informationsblatt

31 Juli 2000

Die Finanzkrisen der vergangenen Jahre haben Schwächen im internationalen Finanzsystem offengelegt, von denen viele mit der zunehmenden Größe und Bedeutung grenzüberschreitender Kapitalströme zusammenhängen. Diese Krisen haben deutlich gemacht, dass die Globalisierung sowohl Risiken als auch beträchtliche Vorteile mit sich bringen kann. Als Reaktion darauf hat sich die Völkergemeinschaft mobilisiert, um die ,,Architektur des internationalen Finanzsystems” zu stärken.


 
Diese Architektur besteht aus Institutionen, Märkten und Verfahren von Regierungen, Unternehmen und Einzelpersonen bei der Durchführung von Wirtschafts- und Finanztätigkeiten. Der Aufbau eines stärkeren und stabileren internationalen Finanzsystems macht die Welt weniger anfällig für verheerende Finanzkrisen und erlaubt es allen Ländern, die Früchte der Globalisierung mit ihrem nachgewiesenen Potential zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums und zur Verbesserung des Lebensstandards zu ernten.

Obwohl nach der letzten großen Krise (der Abwertung des mexikanischen Peso 1994/95) einige Fortschritte bei der Stärkung des internationalen Finanzsystems erzielt wurden, waren die jüngsten Fortschritte schneller. Zu den wichtigen Erfolgen mit der Betonung der Rolle des IWF gehören:

  • die schrittweise Verbesserung der Qualität und der Offenheit der Wirtschaftsinformationen, die Regierungen und andere Institutionen bereitstellen;

  • die steigende Anwendung von Verfahrenskodizes, die wichtig für einen reibungslosen Wirtschaftsablauf sind; sowie

  • die Schaffung der Vorsorglichen Kreditlinien (CCL), einer IWF-Fazilität, die es dem IWF zum ersten Mal ermöglicht, vorbeugend Kredite zu vergeben, um Krisen zu verhindern.

Die fünf wichtigsten Themenbereiche, auf die sich die gemeinsamen weltweiten Reformanstrengungen konzentrieren, werden im Folgenden genannt. Viele dieser Initiativen haben Auswirkungen auf die weitere Stärkung der Überwachungstätigkeit des IWF. Es handelt sich hierbei um einen Prozess, durch den der IWF seinen Mitgliedern Bewertungen und Empfehlungen über ihre Volkswirtschaft bereitstellt. Das bedeutet, dass die Reform der internationalen Finanzinstitutionen, wie des IWF, Teil der laufenden Arbeiten ist, die Herausforderungen einer sich schnell weiter entwickelnden Weltwirtschaft zu bestehen.

Transparenz

Das Ziel besteht darin, den Finanzmärkten und der Öffentlichkeit aktuelle und zuverlässige Daten sowie Information über Wirtschafts- und Finanzpolitiken, Vorgehensweisen und Entscheidungsfindung griffbereit zur Verfügung zu stellen.

  • Inzwischen nehmen 47 Länder am Speziellen Datenveröffentlichungs-Standard (SDDS) des IWF teil, der die Mitgliedsländer ermutigt, ausführliche und zuverlässige nationale Wirtschafts- und Finanzdaten zu bereitzustellen.

  • Bei der Überwachung der Volkswirtschaften der Mitglieder ermutigt der IWF die Mitglieder weiterhin aktiv, Öffentliche Informationsmitteilungen (PINs), die die Beurteilung der Wirt-schaftslage und Politiken der Länder durch das Exekutivdirektorium des IWF beschreiben, zu veröffentlichen. Mehr als 80 % der Länder veröffentlichen inzwischen PINs. Im Rahmen eines Pilotprojekts für die freiwillige Veröffentlichung der Länderberichte, die dem Überwachungsprozess zu Grunde liegen, geben fast ein Drittel der Mitgliedsländer den Bericht für die Öffentlichkeit frei.

  • In ähnlicher Weise ermutigt der IWF die Mitglieder, bei der Verwendung der IWF-Finanzmittel die Einzelheiten über die Politiken zu veröffentlichen, die die Mitglieder zur Wiederherstellung der wirtschaftlichen Stabilität im Rahmen eines IWF-unterstützten Programms verfolgen, und ungefähr 90 % der Mitglieder veröffentlichen inzwischen diese Informationen. Der IWF gibt außerdem die wichtigsten Punkte in den Diskussionen des Exekutivdirektoriums über diese Programme für die Öffentlichkeit frei.

Entwicklung und Bewertung international anerkannter Standards

Die Einhaltung internationaler Standards und Verhaltenskodizes trägt dazu bei, einen guten Wirtschaftsablauf auf nationaler Ebene, der eine wesentliche Voraussetzung für ein gut funktionierendes internationales System ist, zu sichern.

  • In Absprache mit anderen hat der IWF in seinen wichtigsten Verantwortungsbereichen Standards und Verfahrenskodizes entwickelt: den Speziellen Datenveröffentlichungs-Standard; den Verfahrenskodex zur fiskalischen Transparenz; den Verfahrenskodex zur Transparenz der Geld- und Finanzpolitik; sowie Leitlinien für die Solidität des Finanzsektors (siehe unten).

  • Andere Normierungsbehörden arbeiten an der Entwicklung, Stärkung und Veröffentlichung von internationalen Standards in den Bereichen Rechnungsführung und -prüfung, Konkurs, Unternehmenssteuerung und -kontrolle, Wertpapiermarktregulierung und Sozialpolitik.

  • Um den Ländern dabei zu helfen, diese ,,Verhaltensregeln” einzuhalten, hat der IWF versuchsweise Länderfallstudien eingeführt, die sogenannten ROSCs (Berichte über die Einhaltung von Standards und Kodizes). Darin werden die relevanten international anerkannten Kodizes für solide Wirtschafts- und Finanzpraktiken der einzelnen Länder bewertet.

Stärkung des Finanzsektors

Banken und andere Finanzinstitutionen müssen die internen Verfahren, einschließlich Risikobewertung und -management, verbessern, und der öffentliche Sektor muss die Aufsicht und Regulierung des Finanzsektors verstärken, um mit der modernen Weltwirtschaft Schritt zu halten.

  • Der IWF und die Weltbank haben die Beurteilung der Finanzsysteme der Länder durch gemeinsame Programme zur Bewertung des Finanzsektors (FSAPs) intensiviert und verstärkt. Sie dienen dazu, potentielle Anfälligkeiten in den Finanzsystemen der Länder aufzudecken. Ein Pilotprogramm für FSAPs für 12 Länder ist fast abgeschlossen. Weitere 24 FSAPs sind für das kommende Jahr geplant.

  • Unter Beteiligung des IWF beschäftigt sich der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht mit Lücken in den ordnungspolitischen Standards.

Einbindung des Privatsektors

Eine bessere Einbindung des Privatsektors bei der Krisenverhütung und -lösung kann das Risiko fahrlässiger Kreditvergabe (Moral Hazard) begrenzen, die Marktdisziplin durch die Förderung einer besseren Risikobewertung stärken und die Aussichten für Schuldner und Gläubiger verbessern.

  • Die Vorbeugungsmaßnahmen müssen den Schwerpunkt auf die Umsetzung geeigneter Politikmaßnahmen, eine Stärkung der Finanzsysteme und die Schaffung eines konstruktiven Dialoges mit den privaten Gläubigern legen.

  • Der IWF ermutigt die Mitglieder, in relativ ruhigen Zeiten Mechanismen zu schaffen, die eine geordnete Krisenbewältigung erleichtern können, einschließlich Umschuldungsklauseln in Fremdwährungsanleihen und vorsorgliche Kreditlinien.

  • Wenn Krisen nicht zu vermeiden sind, ist es wichtig, die Einbindung privater Gläubiger aufrechtzuerhalten. In einigen Fällen kann es möglich sein, sich auf die katalytische Wirkung der Kreditvergabe des IWF oder anderer öffentlicher Quellen zu verlassen, um die Gläubiger davon zu überzeugen, ihre Exposition beizubehalten. In anderen Fällen ist es erforderlich, Mechanismen wie Schuldenumstrukturierung einzusetzen, um dafür Sorge zu tragen, dass die wirtschaftlichen Anpassungsprogramme der Länder ohne übermäßige Inanspruchnahme von Kapital aus öffentlichen Quellen voll finanziert werden können.

Anpassung der Finanzfazilitäten des IWF und andere systemische Fragen

Der IWF hat 1999 ein neues Instrument der Krisenvorbeugung geschaffen, die Vorsorglichen Kreditlinien (CCL). Bei der CCL handelt es sich um eine vorbeugende Verteidigungslinie, die Mitgliedsländern mit solider Wirtschaftspolitik zur Verfügung steht. Sie zielt darauf ab, zukünftige Zahlungsbilanzprobleme, die sich durch Ansteckungseffekte internationaler Finanzstörungen ergeben können, zu verhindern. Der IWF hat eine grundsätzliche Überprüfung all seiner nicht-konzessionären Finanzfazilitäten eingeleitet, um dafür Sorge zu tragen, dass sie die Anforderungen der Mitglieder in einer sich ändernden Weltwirtschaft erfüllen.

  • Die Ausgestaltung der CCL stützt sich auf die anderen wichtigen Bestandteile der Reformbemühungen, um weitere Anreize zu schaffen, damit die Länder solide Politiken verfolgen, transparent sind, international anerkannte Standards einhalten und ein solides Finanzsystem aufweisen.

  • Andere Initiativen zur Stärkung der nationalen und internationalen Finanzsysteme legen den Schwerpunkt darauf, die Länder zu unterstützen, ihre außenwirtschaftlichen Anfälligkeiten zu bewerten und ein geeignetes Wechselkursregime zu wählen.

Es muss noch mehr geleistet werden, um sicherzustellen, dass das globale Finanzsystem eine solide Grundlage für die wirtschaftliche und menschliche Entwicklung bietet. Man muss jedoch anerkennen, dass sich weltweit die Wirtschaftspolitik und die Finanzgeschäfte auf Grund der laufenden Reformen des internationalen Finanzsystems ändern.